Profifußballer und „Säufer“ – Alles gehabt und trotzdem abgestürzt.

Uli Borowka spricht bei einer Präventionsveranstaltung in Oppenheim schonungslos ehrlich über seine Erfahrungen mit der Alkoholsucht.

Borowka liest aus seiner Biographie.

Borowka liest aus seiner Biographie.

Mitarbeitende der Suchtberatung des Diakonischen Werks Rheinhessen

Mitarbeitende der Suchtberatung des DW Rheinhessen

Der Förderverein gegen Suchtgefahren e.V. Oppenheim, die Suchtberatung des Diakonischen Werkes Rheinhessen und der FSV Oppenheim e.V. luden am 06.09.2021 in die Landskron-Arena in Oppenheim zu einer Präventionsveranstaltung mit dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler Uli Borowka (Bor. Mönchengladbach, Werder Bremen) ein. Und das mit Erfolg. Mehr als 70 Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung und erlebten einen wirklich außergewöhnlichen Abend, mit einem außergewöhnlichen Gast, in außergewöhnlicher Umgebung.

Beschönigen ist nicht sein Ding. Burowka beschreibt schonungslos ehrlich den Verlauf seiner Suchterkrankung. Dies tut er in seiner 2012 erschienenen Biografie „Volle Pulle – mein Doppelleben als Fußballer und Alkoholiker“ und auch an diesem Abend in Oppenheim. Er nennt sich selbst einen „Säufer“. Bis zu einem Kasten Bier plus je einer Flasche Wodka und Whisky habe er während der schlimmsten Phase seiner Sucht getrunken. Hinzu kamen später Medikamentenabhängigkeit und eine Spielsucht.

„Zwei wunderbare Kinder, eine 250 Quadratmeter große Villa, drei Autos vor der Tür. Stammspieler bei Werder Bremen. Der meist gefürchtete Abwehrspieler der Bundesliga. Europapokalsieger. Ich hatte alles“ beschreibt Burowka am Anfang seiner Biographie die Zeit als Fußballprofi. Doch er hatte nicht nur das. Geplagt von Versagens- und Existenzängsten sowie Schmerzen hielt er dem Druck des „unerbittlichen Profifußballes“ nicht stand. Er flüchtete sich in den Alkohol, trank immer exzessiver, leistete sich Eskapaden in der Öffentlichkeit. Er verlor seinen Spielervertrag, Freundschaften und auch seine Ehe ging zu Bruch. Was blieb waren Schulden und Einsamkeit.

2000 erfolgte dann der Entzug, seitdem kämpfte sich Burowka schrittweise in das Leben zurück. Darüber hinaus hat er es sich zur Aufgabe gemacht über die Gefahren der Sucht aufzuklären und mit Präventionsveranstaltungen und Öffentlichkeitsarbeit den Suchtmittelmissbrauch zu bekämpfen, sowie betroffenen Sportler*innen eine Anlaufstelle zu bieten. Hierzu gründete er den Verein „Suchtprävention und Suchthilfe e.V.“

Dass er einer von vielen Betroffenen ist, weiß Burowka. Nicht nur im Profifußball würden viele, dem Druck immer funktionieren zu müssen, nicht standhalten. „Wir leben in einem suchtkranken Land“, sagt der heute trockene Alkoholiker. Mit Beginn der Pandemie habe sich die Situation für Betroffene noch verschärft. Dies bestätigen auch die Mitarbeitenden der Suchtberatung beim Diakonischen Werk Rheinhessen. Kontaktverbote, Isolation und Zukunftsängste würden nicht nur das Risiko eines Rückfalls fördern, sondern generell die Gefahr des Abgleitens in eine Sucht begünstigen. Deshalb habe die Suchtberatung in den letzten eineinhalb Jahren verstärkt daran gearbeitet Beratung und Hilfestellung auch auf digitalem Weg wie z.B. per datengeschützten Videotools, per Mail oder Telefon anzubieten.


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